Kuratorium Pfahlbauten - Burgring 7, 1010 Wien
Tel.: +43 (0) 1 521 77 295, Email: info@pfahlbauten.at

Monitoring - See am Mondsee

Die Station See ist eine seit 1872 bekannte neolithische Seeufersiedlung im Flachwasserbereich vor dem Ausfluss des Mondsees, Oberösterreich. Der 2011 erworbene Status ausgewählter Pfahlbauten als UNESCO-Welterbe beinhaltet die Verpflichtung, für einen angemessenen Schutz dieser unter Wasser liegenden Siedlungsreste zu sorgen. Nach Jahrzehnten der Arbeits- und Forschungspause wird begonnen, das wertvolle Weltkulturerbe mit modernen Methoden zu dokumentieren und zu schützen. Ein wichtiges Ziel des Site Management Oberösterreich besteht im Aufbau eines Monitorings zur Langzeitkontrolle der Unterwasserdenkmale mit standardisierten Methoden. 
Ziele: 
1. Erfassung bzw. Verifizierung folgender Eckdaten: Position, Größe sowie aller in der Fläche beobachtbaren Eigenschaften
2. Verständnis der Geomorphologie: Lage der Station in Bezug auf Ufer-Flachwasserzone
3. Feststellung des Erhaltungszustandes, inklusive einer Gefährdungsanalyse, Vorschlag von Maßnahmen
4. Stratigrafisches Verständnis: Erfassen von Kulturschichten
 
Die heute noch sichtbaren Überreste der Station See befinden sich auf einer leicht abfallenden Strandplatte in einer Wassertiefe von 1,8 m bis 5 m. Die Ausdehnung des noch vorhandenen Pfahlfeldes beträgt ca. 90 m x 45 m. Die Höhe der stehenden Pfähle beträgt bis zu 0,45 m und zeugt damit von einer ausgeprägten Erosion der schützenden Deckschicht. Im Pfahlfeld liegt eine ca. 5-10 cm sandige Deckschicht über der Kulturschicht. Im südlichen Bereich der Untersuchungsfläche wurde 2013 eine Oberflächentranssekte mit den Maße 1 x 62 m ausgelegt. Mittels eines mobilen Messrahmensystems konnte so eine Oberflächenaufnahme in einem relativ ungestörten Bereich durchgeführt werden. 
Folgende Parameter wurden in maßstäblichen Zeichnungen unter Wasser erfasst: Pfähle, Steine, Makrophyten, Sediment, Anomalien, Funde.
Innerhalb dieser Transsekte erfolgten eine Beprobung ausgewählte Pfähle für die Dendrochronologie sowie der Einsatz eines Metalldetektors. Die fotografische Dokumentation aller Quadranten wurde versucht; sie ist aber auf Grund sehr schlechter Sichtverhältnisse nicht immer möglich gewesen. Die fotographische Dokumentation aller Arbeitsschritte sowie Funde und Befunde erfolgte durch die Unterwasserfotografen M. Siegel und C. Howe.
 
Ein Erosionsmarkersystem zur Langzeitkontrolle des Unterwasserdenkmals wurde 2013 und 2014 innerhalb der Welterbestation aufgebaut. Die Erosionsmarker bestehen aus 1 m langen Hartholzpflöcken, die im oberen Bereich mit drei 10 cm Markierungen versehene wurden, um die Erosions- bzw. Sedimentationsvorgänge ablesen zu können. Die gelben Flaschenbojen dienen zur leichteren Auffindung der Marker unter Wasser.
 
Direkt nördlich der Oberflächentranssekte führte die Fa. uwi-tec eine Kernprobenentnahme durch. Es wurden Kernproben bis zu einer Länge von 1,80 m gezogen. Durch die insgesamt neun Kernprofile konnten Einblicke in die Geomorphologie und Kulturschichtausdehnung gewonnen werden.
Die Kulturschicht konnte in einem Bereich von ca. 100 m x 55 m erfasst werden. Sie kann differenziert werden in einen eigentlichen Siedlungshorizont und einem Reduktionshorizont. Der Siedlungshorizont ist charakterisiert durch terrigenes Pflanzenmaterial (Detritusschicht mit viel Holzkohle, Nadelstreu, dünnen Ästchen) und zahlreiche Artefakte. Der Reduktionshorizont erstreckt sich im Umgebungsbereich der eigentlichen Siedlung und besteht aus einer dunkelgraue Schicht aus Seekreide, Detritus und Holzkohleflitter.
Die Kernbohrungen lassen zudem Aussagen zu den stratigrafischen Verhältnissen der Seeufersiedlung in Mondsee zu. Die Schichthorizonte (SE) zeigen, dass sich unter der dünnen Deckschicht eine bis zu 0,50 m starke Kulturschicht befindet. Die Kulturschicht ist oft gestört und lässt nur eine Siedlungsphase erkennen. Nach bisherigem Wissensstand war demzufolge die Siedlung „See“ durchgehend über einen langen Zeitraum besiedelt (weitere Bohrungen folgen). Die Oberflächenaufnahmen lassen auffällige Bereiche mit hohen Pfahl- und Fundkonzentrationen erkennen. In manchen Quadranten fand sich eine beachtliche Pfahlkonzentration von 16 Pfählen pro Quadratmeter. Es handelt sich ausschließlich um Weichhölzer. Die genaue dendrochronologische Bestimmung dieser Hölzer ist ein absolutes Desiderat für zukünftige Forschungen. Nur so können grundlegende Fragen der genauen Datierung, der Hausgrundrisse und Siedlungsgröße, der Belegungsdauer sowie der neolithischen Umwelt geklärt werden. 
 
Mit den 2013 und 2014 durchgeführten Prospektionskampagnen des Kuratoriums Pfahlbauten wurde begonnen, ein Monitoring zur Langzeitkontrolle der Unterwasserdenkmale mit standardisierten Methoden aufzubauen. Ziel ist es, weitere Erkenntnisse über diese jungsteinzeitliche Siedlung am Ufer des Mondsees zu gewinnen sowie möglichst schnell eine aktuelle Gefährdungsanalyse dieses bedrohten UNESCO-Weltkulturerbes anzufertigen, um Schutzmaßnahmen einleiten zu können. 

Palafittes Guide App

Palafittes Guide App Screenshot

Der «Palafittes Guide» ist eine umfangreiche Informations-Sammlung über das Unesco-Welterbe. Er enthält einen Audioguide für zahlreiche schweizer, deutsche und österreichische Standorte. An diesen Standorten wird in jeweils etwa 3 Minuten erzählt, was im Boden oder im Seegrund liegt, wie die Pfahlbauer hier gelebt haben und wie die Archäologie das Thema erforscht.
 
Neben diesem Audioguide enthält der «Palafittes Guide» Informationen zu Museen, in denen Objekte aus der Pfahlbauerzeit ausgestellt sind, sowie eine umfangreiche Textsammlung mit allgemeinen Informationen über die Pfahlbauer. Für den Audioguide gilt: Auch er funktioniert überall, aber vor Ort ist er auf jeden Fall interessanter.

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: