08.07.2017 (Ganztägig)

Heuer findet das UNESCO-Welterbefest am 8. Juli 2017 ab 11 Uhr erstmals direkt am Keutschacher See in Gerti ́s Strandbad statt. Mit dem Fest wird das derzeit einzige UNESCO-Welterbe Kärntens gefeiert - die 6000 Jahre alte Pfahlbausiedlung im Keutschacher See. 

Monitoring - Keutschacher See in Kärnten

Unterwasserarchäologisches Monitoring an der UNESCO-Welterbestätte im Keutschacher See
 
Die Station Keutschach ist eine seit 1864 bekannte neolithische Siedlung im zentralen Bereich des Keutschacher Sees in Kärnten. In den 150 Jahren seit ihrer Erstentdeckung haben sich zahlreiche Forscher, Gelehrte aber auch interessierte Laien  mit den Funden beschäftigt. Mit den bisher gesicherten Daten von 3947/46 v. Chr. ist diese Siedlung zugleich die bisher älteste bekannte Pfahlbausiedlung in Österreich. 
Die Siedlungsreste befinden sich auf einer Untiefe des Keutschacher Sees in 2 bis 12 m Wassertiefe. Die aktuelle Zustandsbeurteilung zeigte eine Überdeckung der Inselkuppe durch Schlick und Sand mit einer Stärke von drei bis zehn cm. In situ befindliche Kulturschicht konnte unerwartet häufig und massiv vor allem auf den höchsten Punkten der Kuppe erkannt werden. Damit ist auch für die Zukunft ein erhebliches Forschungspotential gegeben (Bestätigung nach Begutachtung der Fundstelle durch Dr. M. Mainberger, Dt.  Bodensee). Vereinzelt zeigten sich auch Strukturen mit liegenden Hölzern in der Kulturschicht, die weitere Untersuchungen lohnen würden. Die Pfähle ragen bis 52 cm aus dem umliegendem Sediment heraus und sind mehr oder weniger konisch aberodiert. 
 
Bei der Betrachtung des Gefährdungspotentials sind natürliche und anthropogene Ursachen voneinander zu unterscheiden. Die natürliche Erosion dieser exponierten Untiefe inmitten des Sees wird vor allem durch Wellenschlag und Strömung bestimmt. Diese Prozesse fanden seit Bestehen der Untiefe statt und werden maßgeblich vom Wasserspiegelstand der jeweiligen Zeit mitbestimmt. Die mächtigen Seekreideschichten sowie die darin enthaltenen organische Bänderung zeigen, dass es auch immer wieder Sedimentation gegeben haben musste. Weitere natürliche Erosionsfaktoren lassen sich in Form von tierischen Mitbewohnern dieser Untiefe finden. Dabei spielen die Neozoen Zander durch das Freilegen der Kulturschicht für ihre Laichgruben und Signalkrebse durch das Graben von Gängen an der Halde eine wichtige Rolle. Vor allem die westliche und nördliche Halde ist regelrecht durchzogen mit diesen Tiergängen und schwer in ihrer Stabilität gestört. Die momentan erkennbaren menschlichen Störungen der Welterbestätte erfolgen vor allem durch Sportangler und Freizeitboote. Wurfangelhaken mit starken Sehnen reißen ganze Pfähle aus ihrer Verankerung oder kappen sie sogar. Kleinere und größere Anker verhaken sich im Pfahlfeld und beschädigen dieses ebenfalls. Die weitere Aufklärung der Anrainer und Durchsetzung der Schutzzone haben deshalb höchste Priorität in der Zukunft. Ein Problem mit plündernden Sporttauchern scheint es seit der Einbindung der Wasserrettung in die unterwasserarchäologischen Arbeiten durch Herrn Dr. O. Cichocky nicht mehr zu geben.
 
Die seit 2013 durchgeführten Prospektionsmaßnahmen des Kuratoriums Pfahlbauten an der Welterbestätte Keutschach hatten auch das Ziel, mit der Einrichtung eines Monitoringsystems zu beginnen. Die in zwei Fluchten eingebrachten 18 Erosionsmarker dienen zur Langzeitkontrolle dieses Unterwasserdenkmals mit standardisierten Methoden. Die in den nächsten Monaten und Jahren durchzuführenden Kontrollen werden das Ausmaß von Erosionsvorgängen aufzeigen. Weitere Erosionsmarker sowie zusätzliche Maßnahmen sollen helfen, diese Vorgänge zu verstehen und ein entsprechendes Erosionsmodell zu entwerfen, damit bei Bedarf entsprechende Schutzmaßnahmen für dieses Unterwasserdenkmal eingeleitet werden können. 
 
H. Pohl, 2015-04-22

Palafittes Guide App

Palafittes Guide App Screenshot

Der «Palafittes Guide» ist eine umfangreiche Informations-Sammlung über das Unesco-Welterbe. Er enthält einen Audioguide für zahlreiche schweizer, deutsche und österreichische Standorte. An diesen Standorten wird in jeweils etwa 3 Minuten erzählt, was im Boden oder im Seegrund liegt, wie die Pfahlbauer hier gelebt haben und wie die Archäologie das Thema erforscht.
 
Neben diesem Audioguide enthält der «Palafittes Guide» Informationen zu Museen, in denen Objekte aus der Pfahlbauerzeit ausgestellt sind, sowie eine umfangreiche Textsammlung mit allgemeinen Informationen über die Pfahlbauer. Für den Audioguide gilt: Auch er funktioniert überall, aber vor Ort ist er auf jeden Fall interessanter.

Fördergeber

 
Das Kuratorium Pfahlbauten wurde im Jahr 2012 von Bund und Ländern ins Leben gerufen, um den österreichischen Teil des internationalen UNESCO-Welterbes „Prehistoric Pile Dwellings around the Alps“ stellvertretend für die Republik Österreich zu betreuen.

Die Fördergeber sind:

Partner und Sponsoren

   
Das UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ wird unterstützt durch: